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Schön sein ohne Stress

credit: Unsplash

 

 

Was ist schön?

Es gibt gewisse Merkmale, die jemanden als Schönheit ausweisen: ebenmäßige Haut, symmetrische Gesichtszüge, große Augen, glänzendes Haar, schlanke Figur und und und. Der große Po, die zellulitegestärkten Oberschenkel gehören nicht dazu. Auch nicht der zu schmale Augenabstand, die zu schmalen Lippen oder ein burschikoses Aussehen bei Frauen. Macht es Stress, wenn man nicht insgeheim einige dieser Sollmerkmale abhaken kann? Ja, es macht Stress.

 

 

"Es macht Stress, solange man sich bemüht, diesem Schema entsprechen zu wollen.

Solange man glaubt, dass dieses Schema von Schönheit und Weiblichkeit in Stein gemeisselt ist. Und man sich keine Alternative zum tiefen Dekollete und vollen Lippen vorstellen kann."

 

 

Der Ausdruck "she tries too hard" ist mir einst in einem Modekontext begegnet und er bildet eine Verhaltensweise ab, die ich beim Umgang mit Kleidung gesehen habe und der ebenso gut auf  das Aussehen passt. Man zwängt sich in zu enge Kleidung, der Ausschnitt ist zu groß, man zeigt zu viel Haut,  gestaltet die Augenbrauen zu stark. Die Haare sind zu grell gefärbt, der Look ist zu jugendlich, die Absätze zu hoch. Modemagazine und Instagram-Accounts sind voll von jenen Frauenbildern, und ich denke nicht nur an die Kardashians.

Zu eng, zu kurz, zu hoch. via Pinterest

 

Dieses Verhalten, das "noch eines draufsetzen will", noch mehr, noch geschmückter, noch weniger natürlich, wie um seine naturgegebenen Anlagen zu überwinden, wirkt angespannt und "pushy". Es drängt sich förmlich auf und fühlt sich unentspannt an. Nur: wen will ich damit erreichen? Ein auf Geschlechtsmerkmale betonter Look spricht vorwiegend den Blick der Männer an(, der als oberster "Entscheidungsblick" gilt).

 

Würde frau sich so für andere Frauen anziehen oder zurechtmachen? Nein, würde sie nicht. Neben dem offensiven Verhalten findet noch viel öfter das Verhüllen statt. Den großen Po mit einem Longtop verdecken, den Bauch in einer weiten Bluse und die dicken Beine grundsätzlich mit einer Hose. Und überhaupt streckt man die Waffen, weil man viel zu unscheinbar ist im Rennen um die Aufmerksameit. Man hat schon verloren und kämpft nicht mehr. Auch dieses defensive Verhalten macht nicht schöner, denn jedes Prozent,das wir in das Verhüllen stecken, kostet uns Ausstrahlung.

 

Ist das schön? Frauen können mehr als lasziv aussehen

 
 

 

 

Wie sieht Schön-Sein aus? Ich denke, wir sind uns einig, wenn ich behaupte, dass Schön-Sein nichts mit einem  laszivem Augenaufschlag zu tun hat und auch nichts mit der 34er Figur oder einem verhüllten Look. Auch nicht mit kulturell unterschiedlichen Schönheitsbegriffen . Eher mit einem In-Sich-Ruhen.

 

 

"Schön ist man, wenn man mit sich selbst Frieden schliesst."

 

 

Und wenn man das erreicht, dann beginnt man zu strahlen, dann strahlt man stärker als jedes goldglitzernde Kleid. Es ist der liebevolle Blick auf sich selbst, das Sich-Zuzwinkern im Spiegel, man zwinkert seinem Po zu, der so frech heraussteht, man zwinkert seinem großen Mund zu, der etwas schief ist. Man beginnt dankbar zu sein, für seinen Körper, der einen jeden Tag klaglos trägt, Kinder in sich wachsen lässt und Ideen. Der Körper, mit dem man laufen gehen kann, schwerelos im See schwimmen oder in der Wiese liegen. Mit dem gelebten Leben, das sich hin und wieder in Narben, Schwangerschaftsstreifen oder Sommersprossen ausdrückt, das Leben, in dem man morgens zuallererst mit sich selbst aufwacht.Dazu eine ÜBUNG: Stelle Dich nackt vor den Spiegel, lache Dir zu und sage Dir: Ich liebe Dich so, wie Du bist. Mach es jeden Tag, solange, bis sich deine innere Stimme nicht mehr dagegen wehrt. Erfinde neue positive Sätze, die Du Dir sagen kannst und wachse weiter.

 

 

"Schön ohne Stress ist man, wenn man sich annimmt- jetzt gleich-

und nicht erst, wenn die 5 Kilo weg sind, die Haare den perfekten Schnitt haben

oder die Haut unter einer dicken Schicht Make-up verschwindet."

 

 

 

Ich bin eine 42er Figur und wünsche mir schon seit vielen Jahren meine Figur zurück, die ich vor den Kindern hatte. Ich war eine 38/40- und ich kam mir genau so rund vor, wie ich mir jetzt mit 15 Kilo mehr vorkomme. Als ich das erkannte, habe ich nicht gewusst, ob ich lachen oder weinen soll. Kann es sein, dass das Gefühl für das eigene Aussehen so relativ ist? Ich behaupte JA.

 

Es ist die Tragik des Älterwerdens, dass man einerseits gescheiter wird, selbstbewusster und milder mit sich, doch wenn man gleichzeitig erkennt, wieviel unnötige Stunden man in jungen Jahren mit Komplexen und Selbstgeißelungen Marke "Wenn ich doch endlich abnehme, wäre ich endlich schöner und würde mich mehr mögen, und die anderen würden mich mehr mögen..." verbracht hat, dann ist das hart. Was hätte man in dieser Zeit alles Gute über sich denken können! Was hätte man sich alles zutrauen und erreichen können, anstatt Energie in das Verstecken vermeintlicher Schönheitsmängel zu investieren.

 

 

 

Schön sein ohne Stress?

Ja, es geht. Wenn man unabhängig wird vom Blick anderer.

Wer unabhängig wird vom Blick der anderen,

der wird auch unabhängig vom Angebot der

Schönheits- und Modeindustrie, die uns permanent "helfen" will,

unsere Komplexe mit Produkten zu überspielen.

 

 


Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit, ich hoffe, Du nimmst Dir positive Anstösse mit aus diesem  Artikel. Hast Du Fragen oder Themen, die ich mir näher ansehen sollte? Dann schreibe mir an

office(at)fraujonason.com, ich freue mich.